13. Juni 2026 – Nach einem verregneten ersten Tag, der uns mit nasser Kleidung und kalten Fingern nach Liechtenstein getrieben hatte, konnten wir es kaum erwarten, endlich wieder Sonne auf dem Helmvisier zu spüren. Und tatsächlich: Als wir am Morgen die Vorhänge im Hotelzimmer aufzogen, empfing uns strahlend blauer Himmel. Ein Wettergegensatz, wie er kontrastreicher kaum sein könnte – und genau das sollte Tag 2 unserer Sommertour 2026 werden: das komplette Gegenteil vom Vortag.
☀️ Wettercheck entlang der Route (13.06.2026)
| Etappe | Bedingungen | Temperatur | Risiken |
|---|---|---|---|
| Liechtenstein → Sufnersee | 🌤️ Leicht bewölkt, trocken | 12 – 20 °C | Kurvenreiche Bergstraßen, wechselnde Höhenlagen |
| Sufnersee → San Bernardino Pass | ☁️ Zunehmend bewölkt | 20 – 15 °C | Deutlicher Temperaturabfall auf der Passhöhe |
| San Bernardino Pass → Lavertezzo | 🌦️ Stark bewölkt | 15 – 24 °C | Starker Temperatursprung |
| Lavertezzo → Camping Orta | ⛈️ Sonnig bis gewittrig, schwül | 22 – 27 °C | Hitze und Schwüle, mögliche Gewitterzellen am Nachmittag |
Ein sonniger Start ins Fürstentum
Wir packten die letzten Taschen aufs Motorrad – die Sturzbügeltaschen saßen jetzt perfekt und ließen das Vorderrad meiner BMW R1250 GS Adventure deutlich ruhiger laufen. Ein gutes Zeichen für den Tag.
Liechtenstein empfing uns mit engen, gut ausgebauten Straßen und einer Kulisse aus Bergen, die sich scharf gegen den strahlend blauen Himmel abzeichneten. Kaum losgefahren, gerieten wir jedoch kurz in ein kleines Verkehrschaos: Eine Sportveranstaltung hatte Teile der Strecke gesperrt, und für ein paar Minuten mussten wir improvisieren, bis wir über eine Umleitung wieder zurück auf unsere geplante Route fanden. Kein großes Drama, aber ein guter Reminder, dass man auf einer Motorradtour immer flexibel bleiben muss – Google Maps und GPX-Route hin oder her.
💡 Tipp: Plant bei Touren durch kleinere Länder wie Liechtenstein immer einen zeitlichen Puffer ein. Lokale Veranstaltungen, Straßensperrungen oder Baustellen können auch dann auftauchen, wenn die Route eigentlich klar ist.
Durch malerische Schweizer Dörfer
Sobald wir die Umleitung hinter uns gelassen hatten, ging die Fahrt weiter in die Schweiz. Und hier zeigte sich der Tag von seiner schönsten Seite: Ein Dorf reihte sich ans nächste, jedes mit seinem eigenen Charme – Holzbalkone voller Blumen, schmale Kirchtürme, gepflegte Vorgärten. Die Straßen schlängelten sich durch Täler, vorbei an klaren Bächen und saftig grünen Wiesen, auf denen Kühe grasten, deren Glocken man selbst durch den Helm hindurch hören konnte.
Meine Frau auf ihrer Moto Guzzi V85TT genoss die kurvenreichen Abschnitte sichtlich – die Guzzi liegt in solchen Passagen einfach traumhaft in der Spur, agil und leichtfüßig, ganz anders als meine schwere GS Adventure, die zwar Stabilität und Reichweite bietet, in engen Spitzkehren aber mehr Aufmerksamkeit fordert.
Wir hielten mehrfach an, um Fotos zu machen – die Schweiz ist einfach ein Land, das einen förmlich dazu zwingt, den Gashahn loszulassen und für einen Moment innezuhalten. Kein Wunder, dass sie zu den beliebtesten Zielen für Motorradreisen in Europa zählt.
Der San Bernardino Pass – das Highlight des Tages
Doch der eigentliche ungewollte Höhepunkt des Tages wartete noch auf uns: der San Bernardino Pass. Mit einer Passhöhe von fast 2.000 Metern zählt er zu den eindrucksvollsten Alpenübergängen der Schweiz – und unsere GPX-Daten bestätigten das eindrucksvoll: Innerhalb weniger Kilometer stiegen wir von rund 600 Metern auf über 1.900 Meter Höhe.
Die Auffahrt selbst ist ein Fest für jeden Motorradfahrer. Serpentine reiht sich an Serpentine, die Straße schmiegt sich an die Felswände, und mit jedem Meter, den man höher kommt, verändert sich die Landschaft: satte Almwiesen weichen kargem Geröll, die Luft wird spürbar kühler. Der Blick über die umliegenden Gipfel wird dabei immer weiter, bis man schließlich oben auf der Passhöhe ankommt und von einem Panorama begrüßt wird, das jede Kurve, jeden Bremsvorgang und jede Beschleunigung wert war.
Wir nutzten die Gelegenheit für eine ausgiebige Mittagspause. Die Sonne brannte an diesem Tag deutlich intensiver als noch am Vortag im Dauerregen – ein Kontrastprogramm, wie es größer kaum sein könnte. Während wir unsere Jacken auszogen und die Wärme genossen, ließen wir den Blick über die schroffen Berggipfel schweifen und tankten neue Energie für den zweiten Teil der Etappe.
💡 Tipp: Der San Bernardino Pass ist auch bei Motorradfahrern ohne Alpenerfahrung gut machbar – die Straße ist breit ausgebaut und gut einsehbar. Dennoch gilt: Auf der Passhöhe kann es auch im Hochsommer deutlich kühler sein als im Tal. Eine zusätzliche Fleece- oder Softshell-Schicht im Gepäck lohnt sich immer.
Abstieg ins Tessin – der Süden kündigt sich an
Nach der Pause ging es auf der Südseite des Passes talwärts, hinein ins Tessin. Der Unterschied war sofort spürbar: Die Vegetation wurde mediterraner, Palmen tauchten am Straßenrand auf, die Luft roch anders – wärmer, würziger, fast schon italienisch. Auch die Fahrweise der anderen Verkehrsteilnehmer änderte sich merklich, spontaner, südländischer.
Das Tessin ist ohnehin für viele Motorradfahrer ein Sehnsuchtsziel – kurvenreiche Passstraßen, warmes Klima und die Nähe zu Italien machen die Region zu einem beliebten Baustein vieler Alpenüberquerungen. Wir genossen die Fahrt durch dieses südliche Fleckchen Schweiz in vollen Zügen, bevor wir schließlich die Grenze nach Italien überquerten.
Grenzübertritt nach Italien – ein Hauch von Dolce Vita
Der Grenzübertritt selbst verlief unspektakulär – keine Kontrollen, kein Stau, einfach ein Schild am Straßenrand, das den Länderwechsel anzeigte. Und doch veränderte sich mit diesem einen Moment gefühlt alles: hupende Autos, wild gestikulierende Fahrer, enger und chaotischer wirkender Verkehr. Italien eben, mit all seinem Charme und seiner ganz eigenen Verkehrslogik.
Für uns als Motorradfahrer bedeutete das: erhöhte Aufmerksamkeit, aber auch pure Vorfreude auf die kommenden Tage in diesem wunderschönen Land.
Vom Lago Maggiore zum Lago d‘Orta
Unsere Route führte uns zunächst am Lago Maggiore entlang – einem der bekanntesten und größten Seen Norditaliens. Die Straße schlängelte sich am Ufer entlang, mit immer wieder spektakulären Ausblicken auf das tiefblaue Wasser, gesäumt von mediterraner Vegetation und pittoresken Uferorten.
Wir hätten problemlos hier bleiben können – doch unser eigentliches Ziel lag noch ein Stück weiter: der Lago d‘Orta. Kleiner, ruhiger und weniger touristisch als sein berühmterer großer Bruder, gilt der Lago d‘Orta unter Kennern als einer der schönsten Seen Italiens. Als wir schließlich am Nachmittag ankamen, verstanden wir sofort, warum: Das Wasser lag spiegelglatt da, umgeben von sanften grünen Hügeln, während sich am gegenüberliegenden Ufer die kleine Ortschaft Orta San Giulio malerisch in die Landschaft schmiegte.
Ankunft auf dem Camping Orta
Unser Etappenziel für die nächsten beiden Nächte war der Camping Orta – direkt am Seeufer gelegen, mit Blick auf das Wasser und die umliegenden Berge. Nach den vielen Kilometern und Höhenmetern des Tages war es ein Geschenk, endlich die Motorräder abstellen und die Ausrüstung nicht sofort wieder für den nächsten Tag einpacken zu müssen – zwei Nächte am selben Ort bedeuteten für uns eine willkommene Verschnaufpause vom täglichen Auf- und Abbauen.
Wir schlugen unser Zelt auf, ließen den Tag Revue passieren und genossen den Abend bei einem Glas Wein mit Blick auf den See. Der Kontrast zum Vortag hätte größer kaum sein können: Statt Dauerregen und nasser Kleidung nun Sonnenuntergang, warme Luft und das leise Plätschern des Sees.
📍 Tag 2 im Überblick (13.06.2026)
| Etappe | Highlight | Besonderheit |
|---|---|---|
| Liechtenstein → Schweiz | Malerische Bergdörfer | Kurze Umleitung wegen Sportveranstaltung |
| San Bernardino Pass | Passhöhe knapp 2.000 m | Ausgiebige Mittagspause mit Panoramablick |
| Tessin → Italien | Grenzübertritt | Spürbarer Landschafts- und Stimmungswechsel |
| Lago Maggiore → Lago d‘Orta | Ankunft am Etappenziel | 2 Nächte auf Camping Orta |
Fazit: Der perfekte Tag nach dem Regen
Wenn Tag 1 unserer Sommertour 2026 von Kälte, Regen und dem Kampf gegen die Elemente geprägt war, dann war Tag 2 das genaue Gegenteil: Sonne, Wärme, kurvenreiche Passstraßen und der erste Hauch von italienischem Lebensgefühl. Der San Bernardino Pass bleibt dabei mit Sicherheit einer der Höhepunkte unserer gesamten Reise – nicht nur wegen der spektakulären Aussicht, sondern auch, weil er perfekt den Übergang zwischen zwei völlig unterschiedlichen Welten markiert: dem alpinen Norden und dem mediterranen Süden.
Für alle, die eine ähnliche Route planen: Der San Bernardino Pass eignet sich hervorragend als Verbindung zwischen der Schweiz und dem Tessin, ganz ohne Stress durch überlaufene Alternativrouten wie den Gotthard. Kombiniert mit den beiden Seen Lago Maggiore und Lago d‘Orta lässt sich daraus ein wunderbarer zweiter oder dritter Tag jeder Alpenüberquerung gestalten.
Morgen entspannen wir uns am Lago d‘Orta und dann geht es weiter durch Italien !
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