17. Juni 2026 – Die Côte d‘Azur liegt hinter uns. Saint-Tropez, das Filmmuseum, der Milchshake am Hafen – all das ist noch frisch in der Erinnerung, als wir an jenem siebten Tag unsere Motorräder packen und die Stadt in Richtung Westen verlassen. Die Luft steht schwer über dem Hafen, die ersten Yachten glänzen im Morgenlicht. Wir sind gespannt, was der Tag bringt: Ein Campingplatz am Mittelmeer sollte es werden, ein Stellplatz mit Blick aufs Wasser und ein Abend in der Provence.
Die Fahrt: Kurvige Straßen, dann die Autobahn
Was zunächst als kurvige Genusstour beginnt – die Straßen um Cogolin und Grimaud, durch Pinienwälder und immer wieder Ausblicke aufs Mittelmeer – verwandelt sich schon bald. Die kurvigen Straßen werden weniger, die Einschnitte seltener, und irgendwann finden wir uns auf der A8 wieder, die schnurgerade durch die Provence führt. Aus dem kurvenreichen Motorradfahren wird zunehmend eintöniges Autobahncruisen. Der Wind drückt von der Seite, der Asphalt unter dem Reifen monoton, die Landschaft flacht ab. Es ist nicht schlecht, aber es ist anders. Wo die kurvigen Küstenstraßen noch Herausforderung und Sinnlichkeit waren, ist die Autobahn vor allem eines: effizient.
Wir rollen durchs Var-Hinterland, vorbei an kleinen Orten, deren Namen wir nur vom Navi kennen: Le Cannet-des-Maures, Gonfaron, Flassans-sur-Issole. Die Landschaft wechselt: Weinbergkulturen, dann offene Felder, dann die Weite der Crau-Ebene, in der der Mistral manchmal noch durchpfeift. Kurz vor Arles wird die Autobahn eng, der Verkehr dichter, dann lockert sich alles wieder auf. Die Camargue beginnt, flach und weit, die Reisfelder links und rechts, die Stiere in der Ferne. Irgendwann verlassen wir die Autobahn und biegen ab Richtung Mittelmeer – Richtung Mèze.
Die Campingplatz-Odyssee
Eigentlich hatten wir uns den Platz schon auf Google Maps ausgesucht. Direkt am Mittelmeer, ein Zeltplatz, der auf den Satellitenbildern ganz passabel aussah. Doch je länger wir auf das Bild schauten, desto klarer wurde: Schatten sucht man dort vergebens. Kein Baum, kein Schatten unter praller Junisonne. Für einen Motorradfahrer mit Zelt – nein danke.
Also änderten wir kurzerhand den Plan und suchten nach Alternativen. Mèze, ein kleiner Ort am Étang de Thau, schien eine Lösung zu sein. Ein Campingplatz, der auf Maps sehr schattenreich aussah. Wir steuerten ihn an, voller Hoffnung. Doch was wir vor Ort vorfanden, war eine bekannte Geschichte in neuem Gewand: Die Schattenplätze waren belegt. Vergeben. Nicht für uns. Was blieb, war ein Stellplatz auf festgefahrenem Schotter, mit ein wenig Schatten, mitten unter praller Sonne. Dazu gesellte sich eine handfeste Überraschung: Ameisen. Nicht ein paar einzelne, nein – eine regelrechte Kolonne. Sie marschierten in breiter Front über unseren Platz, durchs Vorzelt und über alles, was nicht fest war. Wir hatten das Gefühl, in ihrem Revier gelandet zu sein.
Melone, Postkarten und der 31-Grad-Pool
Was blieb uns also anderes übrig, als das Beste aus der Situation zu machen? Auf dem Weg zum Platz kauften wir noch schnell etwas zu essen – frisches Brot und ein paar lokale Zutaten. Am Platz angekommen, suchten wir uns einen kühleren Ort: den Pool. Das Wasser hatte angenehme 31 Grad – für Schwimmer anstrengend, für Erholungssuchende genau richtig. Der angrenzende Étang de Thau entpuppte sich als etwas anderes: ein flacher Lagunensee mit einem schmalen Uferstreifen, den man nur mit viel Wohlwollen als Strand bezeichnen konnte. Ein Hundestrand, ehrlich gesagt, aber die Vierbeiner hatten sichtlich Freude daran.
Zwischendurch sind wir noch schnell zum nächsten Briefkasten und haben unsere Postkarten eingeworfen. Saint-Tropez, die Hafeneinfahrt, das Licht auf dem Wasser – ein kleiner Ritus, der bei all der Planerei und den Strapazen des Tages fast untergegangen wäre. Hoffentlich kommen sie an.
Der Abend: Zelt-Umzug wegen Ameisen
Als die Sonne sich langsam senkt, wird die Sache dann nochmal spannend. Die Ameisenaktivität im Vorzelt erreicht ihren Höhepunkt. Unser ganzes Zeug – Isomatten, Taschen, Ausrüstung – liegt unter einem dichten Film aus kleinen schwarzen Ameisen. Wir versuchen zunächst, sie abzuklopfen, aber sie kommen in Scharen wieder.
Also entschließen wir uns kurzerhand zum Zelt-Umzug. Das Zelt wird ein paar Meter weiter auf einen saubereren Fleck versetzt, das Vorzelt abgebaut und neu aufgeschlagen, das Equipment Stück für Stück umgeschichtet. Es ist kurz vor Mitternacht, als wir endlich wieder drin sind. Müde, zerknautscht, aber immerhin ohne Ameisenfracht im Schlafsack. Wir liegen in der Nacht, hören die Grillen und den Wind, der übers Wasser kommt, und denken: So ist es also, die Motorradreise. Nicht nur kurvige Straßen und Postkartenidylle. Sondern auch das hier.
Tipps für Tag 7
- Campingplatz-Check vor Ort: Google Maps und Luftbilder lügen gern, was Schattenplätze angeht. Lieber kurz anfahren, den Platz anschauen, bevor man den Stellplatz wählt – besonders im Hochsommer an der französischen Mittelmeerküste.
- Ameisenvorsorge beim Zelten: Kein Essen offen liegen lassen, keine Lebensmittel im Vorzelt lagern. Klebeband oder ein Kreis aus Kreide um den Stellplatz kann helfen. Wenn es zu spät ist: Umzug nicht scheuen, lieber eine Stunde investieren als eine schlaflose Nacht.
- Wasser und Hydration in der Provence-Ebene: Auf der Autobahn durch die Crau und Camargue wird es schnell heiß. Eine große Wasserflasche am Lenker ist Pflicht. Pause machen, trinken, weiterfahren – bei 30 Grad und mehr kein Luxus.
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