16. Juni 2026 – Der Campingplatz lag still in der Vormittagssonne, als wir unsere Taschen schnappten und zur BMW GS hinübergingen. Nach den actionreichen Tagen davor – kurvenreiche Pässe, steile Hänge, Autobahnen – hatten wir heute einen anderen Rhythmus im Sinn: Kultur, Hafenluft und ein gemächlicher Spaziergang durch eine der ikonischsten Küstenstädte Südfrankreichs. Saint-Tropez. Selbst der Name klingt nach Sommer, nach Film, nach dem Dolce Vita, das wir hier suchten.

Wir rollten mit der GS durch das noch kühle Morgenlicht auf die Küstenstraße, die D559, die sich westwärts durch Pinienhaine und kleine Dörfer schlängelte. Die Straßen waren noch fast leer – nur ein paar Einheimische auf dem Weg zur Arbeit, Fischer, die ihre Netze richteten. Die Luft roch nach wildem Thymian und dem Salz des Meeres, das links von uns glänzte.

Das Filmmuseum – Überraschung inklusive

Warum wir reinschauten

Das Parkhaus lag zentral am Rand der Altstadt, gleich neben der alten Zitadelle. Nachdem wir die GS sicher abgestellt hatten, schlenderten wir los – und stießen dabei auf das Musée de la Gendarmerie et du Cinéma. Ein kleiner weißer Bau, eingerahmt von Zypressen, auf den ersten Blick unscheinbar. Aber die Info-Tafel draußen machte neugierig: eine Ausstellung, die die Geschichte des Kinos mit der Geschichte der französischen Gendarmerie verwebt. Wie bitte?

Drinnen dann die Überraschung: Das Museum war klimafrisch und ruhig – nach der Hitze draußen fast schon ein Segen. Die Ausstellungsräume waren liebevoll kuratiert, mit Originalkostümen, Setmodellen und Filmszenen an den Wänden. Wir liefen durch Dekors aus legendären French-Connection-Filmen, sahen echte Polizeiuniformen aus den 50ern und 60ern, und Mandy war begeistert, als sie ein originales Drehbuch aus La Bête humaine entdeckte – in einer Glasvitrine, unter Spotlight-Beleuchtung.

Was das Museum so besonders machte: Es war kleingruppen-freundlich, keine Massen, kein Gedränge. Wir hatten Zeit, die Exponate in Ruhe zu lesen. Im hinteren Raum gab es sogar einen kleinen Kinosaal, in dem Trailer klassischer Filme auf einer Endlosschleife liefen – eine Pause vom Laufen, eine Verschnaufpause mit Filmgeschichte.

💡 Tipp: Das Musée de la Gendarmerie et du Cinéma ist ein Geheimtipp für alle Cinephilen. Eintritt günstig, kostengünstige Parkplätze im nahen Parkhaus. Am besten vormittags besuchen, wenn die Stadt noch nicht überlaufen ist. Dauer: ca. 1–1,5 Stunden.

Im Schatten der alten Stadt

Nach dem Museum liefen wir bergauf durch die altprovençalischen Gassen – enge Kopfsteinpflasterstraßen, an denen Lavendel in Töpfen wucherte und Katzen dösten. Saint-Tropez ist eine dieser Städte, die ihre Authentizität bewahrt haben, trotz des Mythos, der sie umgibt. Hier und da ein alter Fischerladen, eine Bäckerei mit frischen Croissants in der Auslage. Die Altstadt war noch nicht überlaufen, ein seltener Moment der Ruhe.

Hafenpromenade: Sonne, Wasser, Milchshake

Der Quai Jean Jaurès zur Mittagszeit

Am Hafen angekommen, weitete sich die Stadt plötzlich: Links die alten Fischerboote, rechts die sündteurten Superyachten, die an ihren megelfüllten Liegeplätzen dümpelten. Der Quai Jean Jaurès war gesäumt von Cafés und Restaurants, deren Terrassen sich weit über das Pflaster schoben. Die Hitze stand schwer über der Hafenpromenade, und die Luft roch nach Diesel, Salt и ein bisschen nach Sonnencreme.

Wir brauchten etwas Erfrischendes. An einem kleinen Stand am Rand der Hafenmauer kauften wir uns einen Milchshake – Vanille, cremig, eiskalt. Während Mandy das Handy zückte, um Fotos von den Yachten zu machen, lehnte ich mich an die Steinbrüstung, Blick auf das glitzernde Wasser, den Milchshake in der Hand. Ein perfekter Moment.

Weiter ging‘s: die Place des Lices

Wir schlenderten weiter, vorbei an der legendären Place des Lices, wo sich am Dienstag- und Samstagvormittag der berühmte Markt abspielt – ein Meer aus provenzalischen Stoffen, Lavendelsäckchen, Olivenöl und frischem Käse. Heute war Markt, aber wir waren zu Fuß unterwegs, mit begrenzter Tragekapazität. Also begnügten wir uns damit, durch die Stände zu schlendern, die Farben und Düfte aufzusaugen, ohne etwas zu kaufen. Ein paar Händler warben laut, andere nickten uns zu – Touristen waren willkommen.

Die Sonne wanderte langsam über den Himmel, und gegen 13:30 Uhr wurde uns bewusst, dass die Rückfahrt wartete. Wir nahmen denselben Weg zurück zum Parkhaus, vorbei an der alten Zitadelle, vorbei an der kleinen Kirche mit dem ockerfarbenen Türmchen. Die GS stand noch genau dort, wo wir sie abgestellt hatten.

Rückfahrt und Pool-Nachmittag

Die Rückfahrt auf der Küstenstraße zurück nach Les Issambres war entspannt. Weniger Streckenposten als in den Bergen, mehr Blicke auf das Meer, das sich links von uns erstreckte. Die GS lief ruhig, die Straßenbeläge hier besser als in den Hochalpen, der Wind angenehm, nicht zu kalt. Gegen 15:00 Uhr erreichten wir den Campingplatz.

Am Zeltplatz angekommen, war der erste Gang zum Pool. Der Nachmittag gehörte dem Nichtstun: Schwimmen, Lesen, ein kühles Getränk, Liegestuhl-Sessel, das Summen von Bienen in den Lavendelbüschen. Die Hitze des Tages lag über allem wie ein warmer Mantel. Wir waren froh, nicht mehr unterwegs zu sein.

Abends wurde gegrillt

Als die Sonne sich senkte und die Schatten länger wurden, war es Zeit für das Abendessen: Wir hatten Grillkohle und ein paar gute Stücke Fleisch dabei, außerdem Gemüse vom Markt in Sainte-Maxime. Der Grill knisterte, die Kohle glühte orange-rot, und während das Fleisch auf den Rost kam, füllte sich der Campingplatz langsam mit dem typischen Abendduft von gegrilltem Essen und Holzfeuer.

Wir aßen draußen, solange das Licht noch reichte, unter dem Sternenhimmel, der sich langsam über uns wölbte. Kein Fernseher, kein Handy-Display, nur das Knistern des Grills, das Rascheln der Pinien und das ferne Rauschen des Meeres. Ein ruhiger, perfekter Tag – ohne Hast, ohne Hektik, ganz nach dem Motto der Reise: unterwegs sein, aber nicht rastlos.

💡 Tipp: Wer Saint-Tropez mit dem Motorrad besucht: Parkhaus „Port“ nutzen (zentrumsnah, kostenpflichtig), vormittags anfahren, Museumsbesuch, Hafenspaziergang, Milchshake, Markt – dann zurück zum Campingplatz. So hat man die Stadt in ihrer schönsten Stunde, bevor sie am Nachmittag voller wird.

 


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Kategorien: Sommertour2026

Ralf

Geboren 1978 in Freital, erwarb ich zunächst meinen Realschulabschluss und schloss danach eine Ausbildung zum Anlagenmechaniker erfolgreich ab. Es folgte eine Phase der Selbstständigkeit, in der ich wertvolle unternehmerische Erfahrungen sammeln konnte. Parallel qualifizierte ich mich berufsbegleitend zum Netzwerktechniker an der Fernschule Weber. Seit einiger Zeit bin ich als Teamleiter in der Haustechnik im ibis Dresden Zentrum tätig und verantworte in dieser Position die Führung meines Teams.