Der 12. Juni 2026 sollte der Tag werden, an dem unsere große Reise beginnt: die Sommertour 2026, drei Wochen auf zwei Rädern, mit keinem festen Ziel außer dem nächsten Horizont. Meine Frau auf ihrer Moto Guzzi V85TT E5+, Baujahr 2024, ich auf meiner BMW R1250 GS Adventure von 2024. Zwei völlig unterschiedliche Charaktere auf zwei Rädern – und ein gemeinsamer Start, der es gleich in sich hatte.

Was wir nicht geahnt hatten: Der Wettergott hatte andere Pläne. Kaum hatten wir Dresden im Rückspiegel, zog sich der Himmel zu. Es sollte der ganze Tag so bleiben.

🌧️ Wettercheck entlang der Route (12.06.2026)

Etappe Bedingungen Temperatur Risiken
Dresden → Nürnberg ⚠️ Dauerregen 12–13 °C Windschutz nötig, Regenkleidung Pflicht
Nürnberg → Ulm 🌧️ Starker Regen 11–12 °C Aquaplaning-Risiko auf der A7
Ulm → Friedrichshafen 🌫️ Regen + Nebel 9–10 °C Sichtweite sinkt
Bodensee → Konstanz Böen bis 30 km/h 10-15 °C Seitenwind am See, nasse Kurven
Konstanz → Liechtenstein ☀️ Auflockernd, trocken 10–17 °C Keine besonderen Risiken, Fahrbahn abtrocknend

Der erste Dämpfer: Unruhe im Vorderrad bei Nossen

Die ersten Kilometer verliefen noch trocken – Zeit genug, um sich an das Gewicht des vollgepackten Gepäcks und den Rhythmus der beiden so unterschiedlichen Maschinen zu gewöhnen. Doch auf der A4 in Höhe Nossen wurde die BMW am Vorderrad zunehmend unruhig, ein Zeichen, dass ich Sturzbügeltaschen falsch befestigt hatte. Ich steuerte also einen Parkplatz an um meine Sturzbügeltaschen neu zu befestigen.

Zweiter Stopp: Regen auf der A72

Kurz nachdem wir weitergefahren waren und auf die A72 wechselten, zogen dichte Wolken auf, und wenig später öffnete der Himmel seine Schleusen. Schnell war klar: Das wird kein kurzer Schauer. Wir steuerten erneut einen Parkplatz an, damit meine Frau in ihre Regenkombi schlüpfen konnte – bislang lag sie griffbereit im Koffer, aber der einsetzende Dauerregen machte deutlich, dass jetzt der richtige Moment gekommen war. Kein Vergnügen auf einem Rastplatz, aber notwendig, um für die nächsten Stunden im Sattel trocken zu bleiben.

Ich hatte an diesem Punkt einen klaren Vorteil: Meine Modeka Pan Americana 2 ist von Haus aus wasserdicht. Kein Umziehen, kein Kampf mit nasser Kleidung – während meine Frau sich umzog, konnte ich mich in Ruhe umsehen und die kurze Pause genießen, bevor es im Dauerregen weiterging.

Zwischenstopp Pegnitz: Kalt, nass – und eine wichtige Entscheidung

Bei Pegnitz legten wir unseren ersten Tankstopp ein. Die Anzeige am Cockpit zeigte gerade einmal 11°C – für einen Junitag fühlte sich das an wie ein verfrühter Herbsttag. Durchgefroren, mit klammen Fingern am Tankstutzen, war uns beiden klar: Das wird heute kein Tag für Zelten oder Improvisation. Noch an der Tankstelle in Pegnitz haben wir die Entscheidung getroffen und ein Hotel in Liechtenstein gebucht – 118 € für ein trockenes Bett und eine heiße Dusche erschienen uns in diesem Moment wie der beste Deal der Welt.

Diese frühe Entscheidung nahm uns den Druck. Statt uns Gedanken zu machen, wo wir spontan unterkommen könnten, konnten wir uns ab Pegnitz voll auf die Strecke und das Wetter konzentrieren.

Ulm: Die zweite Pause im Dauerregen

Bei Ulm folgte unser zweiter Tankstopp. Der Regen hatte uns bis dahin nicht eine Minute losgelassen. Die Kombis hielten zum Glück dicht – bei mir von Anfang an, bei meiner Frau einigermaßen seit dem Zwischenstopp auf der A72. Trotzdem macht sich Kälte und Nässe irgendwann körperlich bemerkbar: Die Konzentration lässt nach, die Finger werden steif, und jede Pause wird bewusster genutzt, um sich kurz aufzuwärmen und durchzuatmen.

Endlich: Sonnenschein 50 km vor Konstanz

Und dann, als wir es kaum noch erwartet hatten, geschah es: Etwa 50 km vor Konstanz hörte der Regen auf. Die Wolkendecke riss auf, und zum ersten Mal an diesem Tag zeigte sich etwas, das nach Sommer aussah. Es war ein kleiner, aber wichtiger Moment – die Bestätigung, dass sich das Durchhalten gelohnt hatte, und ein Vorgeschmack auf das, was uns in den kommenden Wochen erwarten würde.

Die letzten Kilometer bis zur Österreichischen Grenze und weiter nach Liechtenstein fuhren wir bei trockener Straße – ein versöhnlicher Abschluss für einen Tag, der uns wettertechnisch alles abverlangt hatte.

Fazit Tag 1: Kalt, nass, aber ein guter Start

Rückblickend war dieser erste Tag ein Härtetest für uns und wir wussten noch nicht des wir das andere Extrem noch kennenlernen. Wir haben gelernt, wie wichtig gute Ausrüstung ist – der Unterschied zwischen einer wasserdichten Kombi und dem nachträglichen Überziehen einer Regenkombi kann über den Komfort eines ganzen Tages entscheiden. Wir haben auch gelernt, frühzeitig pragmatische Entscheidungen zu treffen, statt auf bessere Bedingungen zu hoffen, die vielleicht nicht kommen.

Die 3 wichtigsten Learnings aus Tag 1:

  1. Wasserdichte Motorradbekleidung erspart stressige Umzieh-Aktionen auf dem Standstreifen
  2. Gepäck und Sturzbügeltaschen nach den ersten Kilometern kontrollieren
  3. Bei schlechtem Wetter früh eine Unterkunft buchen, um den Kopf für die Strecke freizuhalten

Morgen geht es weiter – mit trockener Kleidung, neuem Mut und der Hoffnung auf besseres Wetter. Wie es in Liechtenstein weiterging und welche Überraschung Tag 2 für uns bereithielt, erfahrt ihr im nächsten Teil unserer Sommertour 2026.

 


👉 Ihr wollt keine Etappe der Sommertour 2026 verpassen? Hier geht‘s zur Gesamtübersicht aller 22 Tage.


Ralf

Geboren 1978 in Freital, erwarb ich zunächst meinen Realschulabschluss und schloss danach eine Ausbildung zum Anlagenmechaniker erfolgreich ab. Es folgte eine Phase der Selbstständigkeit, in der ich wertvolle unternehmerische Erfahrungen sammeln konnte. Parallel bzw. im Anschluss qualifizierte ich mich berufsbegleitend zum Netzwerktechniker an der Fernschule Weber. Seit einiger Zeit bin ich als Teamleiter im ibis Dresden Zentrum tätig und verantworte in dieser Position die Führung meines Teams.